Fahren durch Sand

Sand ist der „Angstgegner“ vieler Geländewagenfahrer. Die Sorge davor Stecken zu bleiben und sich bis an die Bodenbleche einzugraben fährt bei oft mit. Sand gehört zu den schwierigeren Elementen und je feiner und trockener er wird, desto schlechter lässt er sich durchfahren.

Im Prinzip fährt sich tiefer Sand aber wie tiefer Schnee. Das Fahrzeug rutscht beim plötzlichen Bremsen, lässt sich schlecht steuern und hat die Tendenz eher den Sand zu bewegen, als sich selber über den Sand fortzubewegen.

Sand fährt man am besten im Allradantrieb (vor allem als Anfänger). Also am besten schon vor der Sandpiste die Schaltstufe 4H wählen. Leichte Sandpisten bewältigt man in diesem Allradmodus bei jeder Geschwindigkeit ohne Probleme. Tiefsand kommt oft ganz plötzlich und ist manchmal nur für wenige Meter vorhanden. Es sollte vermieden werden, im tiefen Sand stehen zu bleiben. Der richtige Gang ist oftmals entscheidend wie gut man den Sand bewältigt. Wurde der Tiefsand rechtzeitig erkannt, hält man kurz an und wählt die Fahrtstufe 4Lo. Je nach tiefe des Sandes und Länge der Tiefsandpassage können die Gänge 1- 4 gebraucht werden. Wenn man sich nicht sicher ist, oder die Erfahrung fehlt ist der zweite Gang eine gute Basis um in den Tiefsand zu fahren. Versuchen sie der vorgegebenen Spur zu folgen. Halten sie das Lenkrad locker in beiden Händen. Bei guten Sandpisten folgt ihr Wagen automatisch der bestehenden Spur und Sie müssen nicht wirklich selber lenken, sondern nur darauf achten, das Ihr Lenkrad nicht plötzlich hin und her gerissen wird, wie es passieren kann wenn z.B. ein Stein in der Spur liegt. Steht die Lenkung nicht wirklich parallel zur Fahrspur versucht der Wagen gegen den seitlichen Sandwall „bergauf“ zu fahren! Das geht sicherlich nicht gut. Der Wagen wird langsamer und kann sich eingraben. Führen sie nur leichte Lenkkorrekturen durch. Ihre Aufgabe ist es nun vielmehr mit der richtigen Menge „Gas“ den Wagen am fahren zu halten. Zuviel Gas hilft, den Wagen einzugraben, zuwenig Gas würgt den Motor ab. Probieren Sie es eher mit weniger Gas, aber so das der Motor nicht ruckelt und möglichst rund läuft. Hat die Strecke viele Bodenwellen oder Schlaglöcher müssen sie sich langsam vorantasten und oft vor größeren Wellen das Gas zurücknehmen. Merken Sie, dass der Motor zu stark ruckelt und abzusterben droht ohne das der Wagen ernstlich langsamer wird korrigieren Sie mit etwas mehr Gas. Es dauert eine kleine Weile, bevor der Motor das Ruckeln aufhört, aber Sie verhindern somit das Absterben des Motors. Ruckelt der Wagen weiter und wird auch langsamer, versuchen sie in den ersten Gang zu schalten.

Merken Sie, dass der Motor rund läuft und der Wagen trotzdem langsamer wird, haben sie in den meisten Fällen zuviel Gas und der Wagen fängt an sich einzubuddeln! Nehmen Sie das Gas leicht zurück, erfahrungsgemäß kann der Wagen dann sogar schneller werden! Stirbt Ihnen der Motor ab, oder kommt der Wagen beim Versuch zu Schalten zum stehen, gibt es einen einfachen Trick anzufahren, ohne sich dabei einzugraben oder die Kupplung zu verbrennen:

  • Schalten Sie den Motor aus, legen Sie den ersten Gang und die Schaltstufe 4Lo ein. Nehmen Sie den Fuß von Bremse und Kupplung (auch die Handbremse wird gelöst). Der Wagen steht nun sicher und fest, auch an steilen Bergen. Er wird jetzt nur vom Getrieb fest gehalten. Werfen Sie einen Blick auf die Vorderräder und überprüfen Sie ob diese in Richtung der Fahrspur stehen. Korrigieren Sie die Lenkung falls notwendig. Jetzt drehen Sie einfach den Schlüssel im Zündschloss, ohne dabei Kupplung oder Bremse zu betätigen. Der Motor versucht nun zu starten und sie können mit ein wenig Gas dabei helfen. Noch bevor der Motor wirklich angesprungen ist, werden Sie merken, wie sich das Fahrzeug mit jeder Umdrehung des Anlassers ganz langsam vorwärts bewegt. Dann springt irgendwann auch der Motor an. Beschleunigen Sie kurz und Schalten dann ohne Hast in den nächsten Gang. Dieser „Trick“ bewährt sich oft. Er wird Ihnen die Angst selbst vor Tiefsand nehmen und schont Ihre Kupplung! ( Einige Allradfahrzeuge sind mit den kleineren Vierzylindertriebwerken einfach untermotorisiert und haben nicht die notwendige Kraft um auf diese Art gestartet zu werden. Bei schlecht gewarteten Fahrzeugen kann die Batterie für diese Anstrengung zu schwach sein. Probieren sie also unbedingt vor Fahrtantritt auf einer guten Piste aus, ob der angeführte Trick mit Ihrem Fahrzeug im Ernstfall genutzt werden kann).

Der richtige Reifendruck ist auch beim Fahren in Sand entscheidend! Unter echten, erfahrenen Wüstenfahrern gibt es durchaus mehrere Theorien welches Auto, mit welcher Reifengröße, bei welchem Reifendruck am besten durch den Sand kommt! Wir wollen Sie nicht zu sehr verwirren und geben deshalb nur einen bewährten Tipp. Senken Sie den Luftdruck ähnlich wie für Schotterpisten um 0,2 – 0,5 Bar ab. In den allermeisten Fällen ist das ausreichend.

Haben Sie sich trotz Beherzigung aller Ratschläge eingebuddelt, müssen Sie wohl oder übel eine Schaufel zur Hand nehmen. Normalerweise kommt das Fahrzeug erst dann zum liegen, wenn die Differenziale der Achsen zu tief im Sand stecken. Ist dies geschehen versuchen Sie gar nicht erst durch erneutes Gasgeben „den Karren aus dem Dreck zu ziehen“! Sie werden sich nur noch tiefer eingraben (max. bis das gesamte Bodenblech auf der Sandoberfläche zum liegen kommt). Die Achskörper und die Differenziale haben Sie mit einer Schaufel schnell wieder vom Sand befreit, selbst mit den bloßen Händen geht das in wenigen Minuten. „Verbuddeln Sie den Wagen bis zum Bodenblech kann die gleiche Arbeit Stunden dauern. Nachdem Sie die Achsen vom Sand befreit haben sollten Sie gleichzeitig den Weg bis zur Spur wieder frei schaufeln. Danach starten Sie den Wagen im Idealfall nach dem o.a. Tipp. Schon geht Ihre Fahrt weiter.

 

Ich haben auch schon Autos gesehen, die sich im Sand derart festgefahren hatten, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr frei kamen und rausgeschleppt werden mussten. Botswana ist aber nicht die Namib oder die Sahara. Es bedarf schon einer gewissen Portion Gefühlslosigkeit und einem brutalen Gasfuß um sich so festzufahren. Helfen Sie Menschen, die in solch einer Situation stecken. Benutzen Sie zum Anschleppen auch den o.a. Trick. Ist Ihr Auto zu schwach, oder besteht die Gefahr sich selber einzubuddeln, brechen Sie den Bergeversuch sofort ab. Es macht keinen Sinn sich selbst und die eigene Ausrüstung in Gefahr zu bringen!