Ungebetene Gäste - Wildtiere im Camp

Tiere im Camp - ungebetene Gäste?

 

Ihr Camp steht in der Wildnis, dem natürlichen Lebensraum der Tiere. Sie sind der Gast.

 

Es ist also ziemlich sicher, dass Ihnen einzelne Vertreter der Tiere einen mehr oder weniger langen Besuch abstatten werden. In erster Linie werden dies Vögel wie Perlhühner, Tauben, Tocos und Glanzstare sein. Natürlich erfreuen sich auch Baum- und Erdhörnchen und die vielfältigen Mäusearten an unseren Gemüseabfällen, Fleischresten und Brotkrumen. Auch die unterschiedlichen Mangustenarten sind neugierige und häufig zu beobachtende Campbesucher. Leben Affenhorden in der Nähe, werden Ihnen diese sicher mehrfach täglich zur Last fallen und die Hyänen inspizieren regelmäßig unsere Camps bei Nacht, genauso wie viele andere nächtliche Jäger garantiert „vorbeischauen“ werden.

Selbst Warzenschweine, Flusspferde, Elefanten, Giraffen und auch die Löwen finden regelmäßig ihren Weg in das Camp und Sie werden nichts davon merken.

Viele Afrikareisende fürchten solche Besucher und haben ein ausgeprägtes Bedürfnis sich vor ihnen zu schützen. Nicht ohne Grund sind die Allradfahrzeuge mit Dachzelten und nicht mit Bodenzelten ausgerüstet.

Es gibt eine Vielzahl von sogenannten Strategien um Tiere vom Camp fernzuhalten, die unserer Erfahrung nach genauso zeitaufwendig und lästig wie ineffizient sind. Hier einige der gebräuchlichsten:

 

  • Feuer bei Nacht brennen lassen
  • laute Unterhaltung oder Musik
  • Benzin- oder Ölgetränkte Lappen um das Lager herum aufhängen
  • Das Zelt dicht an Dornenbüsche stellen, um so von ein bis zwei Seiten vor den Tieren geschützt zu sein
  • Benzinkanister, Sandbleche, Töpfe, Holzbohlen oder ähnliches als „Stolperfallen“ um das Camp verteilen

 

Nur sehr selten verirren sich Tiere in unser Camp, weil ihnen unsere Witterung fehlt oder weil wir nicht gehört oder gesehen wurden!

Die Tiere haben sich an die Gegenwart von Menschen gewöhnt und suchen unsere Camps in der Hoffnung auf Fressen, Wasser und Wärme auf.

Auf eigentümliche Art haben Sie gelernt, dass wir unsere Nahrung immer mit uns „herumschleppen“ und das wir mächtige Abfallberge hinterlassen, üppige „Supermärkte“ für hungrige Bewohner von Savannen und Halbwüsten.

Wo der Mensch ist gibt es auch Wasser, diese Lektion haben vor allem die Elefanten gelernt.

 

Entsprechend sollten Sie ihre primären Vorsichts- und Schutzmaßnahmen für die Vorratshaltung treffen:

 

  • verpacken Sie ihre Vorräte möglichst geruchsicher in Transportkisten und bewahren diese im verschlossenen Auto auf
  • entsorgen Sie brennbare Abfälle direkt im Feuer. Der andere Abfall gehört in die Müllcontainer. Sind diese Defekt oder nicht vorhanden, verpacken Sie ihren Abfall und verstauen diesen im Auto und entsorgen ihn am Parkausgang bei den Rangern!
  • Lassen Sie die Ausrüstung bei Nacht nicht ungeschützt herumliegen
  • Schlafen Sie immer im verschlossenen Zelt, nehmen Sie auch die Schuhe mit rein
  • Entsorgen Sie Spül- und Waschwasser direkt nach dem Gebrauch. Verstauen Sie alle Wasservorräte sicher im Fahrzeug
  • Gehen Sie vor der Nachtruhe noch einmal ausgiebig zur Toilette und vermeiden Sie falls möglich nächtliche Toilettengänge. Natürlich lässt sich das „müssen“ schlecht steuern. Falls sie in der Nacht mal raus müssen, leuchten Sie die Umgebung und den Weg zur Toilette mit der Lampe gründlich ab, bevor Sie sich auf den Weg machen!

 

Betrachten Sie die Tiere im Camp nicht als unberechenbare, reißende Bestien, deren Sinnen und Trachten es ist, Sie zu fressen.

Respektieren Sie die Tiere, provozieren Sie diese nicht und erfreuen sich einfach an ihrer Gegenwart.

Nachfolgend einige Tipps zum richtigen verhalten gegenüber verschiedener Tiere im Camp:

 

  • Affen: Sie sind eine wahre Landplage. Tagsüber belagern sie Ihr Camp und sitzen auf Motorhaube, Zelt und Fahrzeugdach, immer bereit in einem unachtsamen Moment Ausrüstung oder Nahrung zu stehlen. Sie plündern mit Vorliebe die Mülleimer und zeigen sich uns Menschen gegenüber ohne jeglichen Respekt. Sie haben auch die Fähigkeit Zelte zu öffnen! Affen muss man mit einer gewissen Schärfe und Gewaltbereitschaft begegnen. Der Einsatz von Steinschleudern, Steine werfen und mit Knüppeln drohen verschafft zumindest kurzfristig Ruhe. Nachts schlafen sie in den Bäumen. Vorsicht: Aus Angst und zur Abwehr lassen die Affen Urin und Kot aus den Bäumen fallen! Bewahren Sie niemals Lebensmittel ganz gleich welcher Art im Zelt auf. Viele Affen verstehen es die Reisverschlüsse zu öffnen. Fehlt ihnen diese Fähigkeit zerfetzen sie Teile der Zeltbahn mit ihren scharfen Krallen um an die Leckerei zu gelangen! Erfahrene Touristen klappen in der Gegenwart von Affen das Zelt und den Tisch, sowie die Stühle zusammen wenn sie das Camp vorrübergehend verlassen. Damit verhindert man Beschädigungen oder unappetitliche Beschmutzung durch Kot und Urin!
  • Hyänen: Einzeln oder in Gruppen von 3 – 4 Tieren finden wir sie fast jede Nacht im Camp. Zumeist lautlos laufen sie auf der ewigen Suche nach Fressen neugierig hin und her. Dabei wird alles einer gründlichen Inspektion unterzogen. Selbst geringste Spuren angebrannter Essensreste im Topf oder auf dem Grillrost motivieren Hyänen in diesen zu beißen! Für Hyänen stellen auch Schuhe einen wahren Leckerbissen dar! Nicht ordentlich verstaute Ausrüstungsgegenstände finden wir morgens zumeist im weiteren Umkreis vom Camp verstreut wieder, nachdem die Hyänen ihr Interesse daran verloren haben. Hyänen sind wahre Opportunisten und nutzen jede mögliche Gelegenheit auf Beute. Begegnen sie einem aufrecht gehenden erwachsenen Menschen, oder erfassen wir sie im Kegel der Taschenlampe laufen sie zumeist davon. Sind wir im Schlaf ohne Zelt, oder ohne das Zelt geschlossen zu haben, stellen wir eine ideale Beute dar!
  • Flusspferde: Die schwerfällig und gemütlich wirkenden „Dickerchen“ sind an Land leicht reizbare Tiere mit einem hohen Aggressionspotential. Vor allem in Begleitung von Jungtieren! Sie laufen bis zu 50 Km/h Spitzengeschwindigkeit und sind für ihre Proportionen erstaunlich wendig. Bei Zwischenfällen mit Tieren werden die meisten Reisenden in Afrika durch Flusspferde getötet! Bei Sonnenuntergang verlassen sie die Gewässer um auf den Weiden ihres Territoriums zu grasen. Dabei halten Sie zumeist Abstand vom Menschen. Auf dem Weg zu ihren Weiden werden sie jedoch unbeirrbar ihrem Trampelpfad folgen, auch wenn dieser durch ihr Camp verläuft. Nähern Sie sich einem Flusspferd niemals mehr, als es sich freiwillig Ihnen nähert! Dann kommt es auch zu keinen Zwischenfällen.
  • Giraffen: Friedliche Besucher, die meistens nur auf der „Durchreise“ sind. Vorsicht der Tritt einer Giraffe, die sich bedroht fühlt ist tödlich!
  • Warzenschweine: Ebenfalls friedliche Gäste, deren „Hauer“ nicht zum angreifen und töten, sondern zum umpflügen des Bodens dienen.
  • Löwen (und andere Großkatzen): Ab und an ziehen Löwen und Geparden durch die Camps, ganz selten sieht man Leoparden. Wie fast alle Tiere nutzen sie unsere Wege zum zurücklegen weiterer Distanzen und passieren das Camp eher zufällig. Ihre Absicht ist friedlich und zumeist halten sie einen ordentlichen Abstand zu uns Menschen, den Sie auf keinen Fall unterschreiten sollten! In der Hitze des Tages suchen sie schon mal den Schatten unserer Fahrzeuge, vor allem wenn wir im Fahrzeug sitzen. In den kalten Sommernächten sind sie gelegentlich heimliche Gäste an unseren wärmenden Lagerfeuern, nachdem wir uns zur Nachtruhe gelegt haben! Verfallen Sie in keine Panik, verhalten Sie sich abwartend und genießen die mächtige Ausstrahlung der großen Katzen. Der Löwe als Menschenkiller existiert nur zu Zeiten großer Not und wenn er sich kräftig vor uns erschreckt und sich dann verteidigt (es gibt tatsächlich Situationen, in denen uns selbst die aufmerksamen Katzen nicht sofort bemerken)!
  • Elefanten: Die großen, grauen Dickhäuter sind wahrhaft häufige Gäste im Camp und in ihrem Verhalten manchmal schwierig einzuschätzen. Sie „verirren“ sich nie zufällig in Ihrem Camp. Es sind die herrlich grünen Blätter des Baumes, der Ihrem Zelt Schatten spendet, oder der Duft Ihres Obst und der Marmeladen, die nicht ordnungsgemäß in den Vorratskisten verpackt sind, welche den Elefanten herbeilocken. Verfügt Ihr Campspot über eine eigene Wasserstelle, kann auch diese einen durstigen Elefanten anlocken! Nähert sich Ihnen ein Dickhäuter ruhig und gelassen, geht er im allgemeinen nur seinem routinemäßigen Tagesgeschäft nach. Selbst wenn er sich Ihnen dabei auf ein paar Meter annähert, wird er ihnen wahrscheinlich keine Beachtung schenken. Er hat gelernt, dass von Ihnen in solchen Situationen keine Gefahr ausgeht. Nähert sich ein Elefant im Laufschritt, vielleicht sogar mit erhobenen Rüssel und weit ausgestellten Ohren, sollten Sie das Feld räumen. Entweder sind Sie für diesen Elefanten ein Störenfried, oder er hat es auf ihre Vorräte abgesehen. Begegnen Sie Elefanten immer mit einer gewissen Vorsicht und Respekt. Normalerweise besteht keine Gefahr wenn sich das Tier Ihnen mit Ruhe nähert. Andersherum suchen Sie nie zu Fuß die Nähe von Elefanten, er könnte Sie als Bedrohung betrachten und entsprechend reagieren. Wir selber sind vor allem in der Savuti, wo notorische Wasserarmut herrscht schon mehrfach im Camp von Elefanten attackiert worden. Der Grund war wohl jedes Mal darin zu suchen, das wir Wasser hatten, dass für die Elefanten unerreichbar blieb! Machen Sie sich ruhig die Mühe und beobachten in der Savuti, wie ein Elefant über Stunden hinweg mit seinen Füßen und dem Rüssel eine Wasserstelle bearbeitet, weil er genau weiß, dass es da irgendwie ein Trick gibt, warum die Menschen Wasser bekommen und er nicht! Gleichzeitig haben wir im gleichen Camp in Savuti schon einige Elefanten erlebt, die sich nicht mit Aggression, sondern voller Angst dicht an den Akazienbüschen vorbei zu unseren Wasserstellen geschlichen haben um ihren gewaltigen Wasserbedarf zu stillen! Es ist wie bei den Menschen, es gibt solche und solche!

 

 

Grundregel

Wir stehen bei keiner Tierart auf dem Speiseplan.

Nähern Sie sich den Tieren nie mehr, als diese freiwillig bereit sind auf Sie zuzugehen. Nähert sich ihnen ein Tier auf wenige Meter (außer bei Affen), bewahren Sie die Nerven und verhalten Sie sich ruhig. Begegnen Sie einem Tier überraschend, bleiben Sie sofort stehen und verhalten sich ruhig! Nach einer der Situation angepassten Drohgebärde gehen die meisten Tiere wieder Ihren Weg. Ansonsten halten Sie indirekten Blickkontakt und ziehen sich dabei langsam zurück. Werden Sie trotzdem angegriffen, laufen Sie was sie können. Die meisten Tiere starten erst einmal einen Scheinangriff (Ausnahmen sind der Büffel, Nashörner und Flusspferde, die rennen durch!) und brechen danach wieder ab.

Übergriffe von Raubkatzen auf Menschen sind extremst selten, kehren Sie den Raubkatzen beim Rückzug nicht den Rücken zu. Gehen Sie langsam und aufrecht.

Prinzipiell gilt es die Tiere in der direkten Umgebung gut zu beobachten. Es sind vor allem die Alten, Kranken oder Verwundeten die mit einem artuntypischen Verhalten im besonderen Maße vertraulich unsere Nähe suchen. Von solchen Tieren geht eine wirkliche Bedrohung aus.