Die Qual der Wahl – welcher 4x4 eignet sich am besten für unsere Afrikareise?

21.01.2012 12:09

Regelmäßige Afrikafahrer diskutieren viel und gerne über afrikanische Pistenqualitäten und die Frage, mit welchen Fahrzeugen man am besten Reisen kann......

Für die selbst gefahrene Safari stehen zwei grundsätzliche Fahrzeugtypen zur Verfügung:

 

  1. 4x4 PickUp: Das sind Lastenesel mit akzeptablen Geländefahreigenschaften. In Afrika weit verbreitet und bewährt. Hersteller wie Toyota, Mazda, Nissan und Isuzu dominieren den Markt. Wesentliche Nachteile dieser Fahrzeuge sind der extrem geringe Fahrkomfort im Gelände. Dies gilt im besonderen auf welligen und buckeligen Pisten. Die Fahrzeuge schwingen stark über die Hinterachse und rütteln und schütteln Passagiere und Ladung gut durch....Da zerreißt es einen förmlich im Auto und man muss die Geschwindigkeit drosseln, damit die Ausrüstung im Fahrzeug nicht beschädigt wird. Die vergleichsweise geringe Bodenfreiheit stört im Gelände genauso oft, wie der lange Überhang am Heck, mit dem man oft aufsetzt. Die Fähigkeit durch tiefes Wasser zu fahren ist oft eher gering. Firmen wie z.B. Toyota haben eine lange Tradition und viel Erfahrung mit 4x4 PickUps. Entsprechend gibt es erhebliche Unterschiede bei Qualität und Fahrtkomfort. Mit Fahrwerken aus dem Zubehör, höheren Reifen und einem Safari-Snorkel können die Geländeeigenschaften nachhaltig gesteigert werden. Einige Verleihstationen bieten aufgerüstete PickUps an.

  2. Geschlossene Geländewagen: Die bekanntesten sind der Landrover Defender und der Toyota Landcruiser Station Wagon. Kenner wissen auch um die Qualitäten eines Mercedes G. Aber auch Nissan Patrol und Mitsubishi Pajero zählen in diese Kategorie. Die kürzere Bauform dieser Fahrzeuge macht sie wendiger und geländegängiger. Jahrzehnte Erfahrung im Bau solcher Fahrzeuge spiegelt sich in dem vergleichsweise hohem Fahrkomfort bei guter Geländegängigkeit wieder. Einige Modelle verfügen ab Werk über Differentialsperren und erstaunliche Fähigkeiten tiefes Wasser zu durchfahren. Mit einem Safari-Snorkel und höheren Reifen ausgerüstet durchquert man Afrika in diesen Fahrzeugen vergleichsweise komfortabel. Einziger Nachteil im Vergleich zu den PickUps ist der begrenzte Raum für Zuladung und Gepäck.

Ob und wie stressig, anstrengend, nervig oder komfortabel eine Fahrt auf einer unbefestigten Piste empfunden wird, hängt im wesentlichen von 3 Faktoren ab:

  • tatsächlicher Zustand der Piste

  • Qualität und Ausrüstung des 4x4 Fahrzeugs

  • Können und Erfahrung des 4x4 Piloten

"Ein und die selbe Tiefsandpiste kann am gleichen Reisetag zu ungefähr der gleichen Uhrzeit von einem erfahrenen 4x4 Piloten in einem Landcruiser, Landrover oder Mercedes G als angenehm und unproblematisch zu befahren geschildert werden, während ein unerfahrener 4x4 Pilot in z.B. einem untermotorisiertem, seriennahen Isuzu PickUp von größten Strapazen und einigen Situationen berichtet, wo er sich eingebuddelt hat......"

 

Neulinge in Afrika beteiligen sich gerne an diesen Diskussionen über Pistenqualitäten...... Gerade von den „Greenhorns“ mit nur ein paar wenigen tausend Kilometern auf dem Buckel hört man in Bezug auf die Pisten gerne Begrifflichkeiten wie: schlecht, katastrophal, unzumutbar, strapaziös, furchtbar, unangenehm, schwer, unbefahrbar, grausam, eine Quälerei,........., usw..

Vorwegstellen möchte ich die Information, dass 80% aller Pisten im südlichen Afrika gute Teerstraßen oder Schotterpisten sind. Die Zeiten, wo man als Tourist von A nach B mehrere Hundert Kilometer Sand- und Tiefsandpiste am Stück fahren musste, sind schon lange vorbei......., selbst die Schotterpisten werden von Jahr zu Jahr weniger.

 

Die oben genannten Begrifflichkeiten beziehen sich also auf ca. 20% aller vorhandenen Pisten im südlichen Afrika. Allerdings stellen diese 20% nahezu 100% aller Zuwegungen zu den Nationalparks und 100% aller Pisten innerhalb der Nationalparks von Botswana, Sambia und Co. dar.

 

Was erwartet einen Reisenden auf diesen Pisten?

Nun, primär sind es Lehm- und Sandpisten, teilweise von schiefrigem Geröll durchzogen, teilweise von tiefsandiger Qualität. Während der Trockenzeit lassen sich die Lehmpisten trotz Schlaglöchern, Furchen und tiefen Spurrillen fast wie Teerstraßen befahren. Die tiefsandigen Pisten hingegen werden immer schwerer, je trockener und heißer die Tage sind. Selbst im Tagesverlauf gibt es spürbare Qualitätsunterschiede......, morgens und abends fährt man deutlich leichter durch Tiefsand, wie zur späten Mittagszeit.

Während und im Anschluss an die Regenzeit kehrt sich das Bild um. Durch die Feuchtigkeit verdichtet sich der Sand und lässt sich sehr gut befahren. Manchmal verdichtet er sich derart, dass sich kleine Wasserlöcher in den Pisten bilden. Diese Wasserlöcher sind unproblematisch, solange der Wasserstand nicht tiefer ist, als ein Reifen hoch ist.

Lehmpisten hingegen werden teilweise immer matschiger und tiefgründiger. Die Reifen können dann an manchen Stellen tief in den Morast einsinken, manchmal so tief, dass die Differentiale oder der Unterboden im Schlamm versinken. Dann bleibt man unweigerlich stecken......

Oft verdichtet sich der lehmige Boden aber auch einfach nur und es bilden sich kleinere oder größere Wasserflächen dort wo Pisten sein sollten. Zäher Matsch kann sich in das Profil der Reifen setzen und zu Traktionsverlusten und schwer lenkbaren Fahrzeugen führen.

Es gibt einen besonders unangenehmen Lehmboden in Afrika. Er wird „black cotton soil“ genannt.

Man erkennt ihn an seiner dunkel grauen, fast schwarzen Farbe. Pisten mit diesem Lehmboden sind während der Regenzeit selbst für gut ausgerüstete Fahrzeuge nicht befahrbar. Diese „black cotton soil“ findet man u.a. im Moremi Game Reserve, im Central Kalahari Game Reserve und in der Savuti Marsh.

In den Monaten von November bis April kann es im südlichen Afrika regnen. Dann tritt die Möglichkeit auf extremen Tiefsand zu treffen in den Hintergrund. Dafür steigen die Chancen auf tiefe Wasserpassagen und matschige Pisten. Der Allradwagen sollte also mit einem entsprechend grobstolliges Profil, einer hoch gelegten Motorluftansaugung (Safari-Snorkel) und wünschenswerter weise mit einer Winde ausgestattet sein. Eine hubraumstarke Motorisierung (3,0 Liter oder mehr) als 6-Zylinder und/oder Turbodiesel ist zu bevorzugen.

Von April bis November nimmt die Bodenfeuchtigkeit kontinuierlich ab. Die Überschwemmungen gehen zurück und die Lehmpisten werden wieder feste. Zurück bleiben oft zerfurchte, ruckelige und wellige Pisten mit geringem Fahrtkomfort. Die Sandpisten trocknen ebenfalls ab und werden wieder lockerer und stellenweise tiefsandiger. In der Regel reichen normale Mischreifen vollkommen aus um praktisch alle Pisten zu befahren. Fahrzeuge mit starken Motorisierungen überwinden Tiefsandpassagen deutlich leichter, als schwach motorisierte Fahrzeuge.

Ausnahmen hiervon bilden der Moremi, die Savuti, der Linyanti, die Botetiregion und der Chobe Fluss. Wenn permanentes Wasser vorhanden ist, können Überschwemmungen, Tiefsandpassagen und schlammige Passagen ganzjährig in unmittelbarer Nähe zueinander auftreten. In den Regenreichen Jahren sollte dann ein Fahrzeug gewählt werden, dass für Matsch, Schlamm und Wasser ausgerüstet ist.

 

Unser persönliches Fazit: In Afrika entscheiden manchmal Pistenabschnitte von nur 8-10 Meter Länge darüber, ob eine Reise erfolgreich verläuft oder nicht. Das sind 8-10 Meter, die ein technisch gut ausgerüstetes Fahrzeug relativ problemlos passieren kann. Es sind aber auch 8-10 Meter, die ein ungeübter Fahrer mit einem schlecht ausgerüsteten Fahrzeug nicht passieren kann und stecken bleibt. Es können aber auch 8-10 Meter sein, die einen Fahrer zum Umkehren zwingen um einen ggf. mehrere hundert Kilometer langen Umweg in Kauf zu nehmen.

Fahrzeuge die für Reisen in Namibia oder Südafrika ausgelegt sind, kommen in Ländern wie Botswana, Sambia, Simbabwe,....., zumeist dort wo viel Wasser im Gelände ist immer wieder an ihre Grenzen.

Gerade wenn man über wenig Fahrerfahrung im afrikanischen Busch verfügt, kann es sehr hilfreich sein ein wenig mehr Geld in den 4x4 zu investieren um mit einem wirklich geländetauglichen Fahrzeug unterwegs zu sein.

 

 

 

Einige Autos sind besser für den Busch geeignet als andere. Mit der richtigen Entscheidung  sollten alle Tage einer Afrikareise ein entspanntes Ende finden.........