Mein erstes mal....

10.01.2012 20:00

Ich war nicht immer ein Freund des schwarzen Kontinents. Simbabwe, Namibia, Botswana und Co entdeckte ich eher widerwillig als Reisebegleitung meiner heutigen Frau, die damals schon mit dem "Afrikavirus" infiziert war.

Der Anfang gestaltete sich entsprechend zäh....

Nach gefühlten 20 Stunden Anreise öffnete sich endlich die Kabinentüre unseres LTU-Fliegers in Windhoek/Namibia. Reichlich Turbulenzen während der nächtlichen Äquatorüberquerung haben den Flug genauso unattraktiv gemacht, wie der lange Zwischenstopp in München. Auf diesen ersten Urlaub in Afrika hatte ich mich nicht wirklich gefreut. Vorurteile über den Kontinent, seine Länder und Menschen prägten mein Denken und Handeln. Bedenken in Bezug auf Infektionskrankheiten und Seuchen taten ihr übriges dazu. Warum ging ich auf Reise in ein Land, wo ich Tabletten schlucken musste und Impfungen benötigte um wieder halbwegs gesund heim zu kommen. Ich sehnte mich schon jetzt dem Moment der Rückreise entgegen. Aber vor mir lagen erst einmal 2 ½ lange Wochen Afrika, ohne Hotels, ohne Komfort ohne Strand.

Die Fluganreise war hier in Namibia leider noch nicht vorbei. In zwei Stunden sollte der Anschlussflieger nach VicFalls in Simbabwe starten. Seit Düsseldorf war das mein erste Atemzug nicht klimatisierter, frischer Luft. Und.....

Mir stockte der Atem. Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Aromen in der Luft wahrgenommen. Afrika roch so ganz anders, als alle anderen Länder zuvor.... und ich hatte schon einige Länder bereist. Vergessen waren die Tomatensaftflecken auf Hemd und Hose, die irgendwo in den Turbulenzen über dem Äquator entstanden waren. Jedes mal wenn der Flieger in irgendeines dieser reichhaltigen Löcher stürzte und Meter tief zu fallen schien wagte der Tomatensaft einen Fluchtversuch aus dem Glas. Ich verstehe bis Heute nicht, warum ich im Flugzeug Tomatensaft trinke.... Ein paar dieser Fluchtversuche konnte ich erfolgreich abwehren. Doch dann gingen der Plastikbecher und sein roter Inhalt ihrer getrennten Wege.....

Für einen Moment vergaß ich sogar meine Vorurteile und genoss es einfach nur zu Atmen. Das war der Duft von Afrika.

Obwohl der Morgen noch ziemlich jung war und die Sonne nicht mehr als einen zarten, goldenen Streifen am Horizont bildete, umwehte mich eine angenehme, milde, fast erfrischende Wärme.

Im Gegensatz zu dieser Wärme stand der Anblick vom Bodenpersonal, als ich endlich auf der Gangway stand.

Rund um den Flugzeugrumpf wuselten kleine dunkelhäutige „Michelinmännchen“ bekleidet mit Wollmützen, Sturmhauben, Handschuhen und gesteppten Thermojacken herum, um unser Gepäck zu entladen.

„Die spinnen die Afrikaner...., was machen die nur im Winter......?“, dachte ich mir und ging zum Terminal. Später am Tag wurde mir dann bewusst, dass wir hier in Afrika schon spät im Herbst steckten und der "Winter" vor der Türe stand.......... Was mir als angenehm erschien, war für die hiesigen Menschen schon ziemlich kalt....

Endlich wurde der Anschlussflug nach VicFalls aufgerufen. Auf dem Rollfeld traute ich meinen Augen nicht. Da stand ein uralter, silbern glitzernder Vogel mit 4 Propellern. Der musste seine besten Zeiten gehabt haben, als meine Eltern noch zur Schule gingen........

Es stellte sich heraus, dass dieser Vogel eine DC-6 war und tatsächlich nur bis 1959 gebaut wurde.

Da um das Flugzeug herum auf dem Boden weder Benzin- noch Öllachen aufzufinden waren, stellte ich mich dem Abenteuer und nahm die DC-6 als das an, was sie eigentlich auch ist......., ein historischer Museumsflieger. Reisen wie "Indiana Jones".

So etwas kann einem wirklich nur in Afrika passieren...... Im speziellen kann es einem eigentlich nur in Namibia passieren....., denn es ist weltweit nicht nur eine der wenigen verbliebenen flugtauglichen DC-6, es ist vor allem die letzte im Passagierflugeinsatz.

Der Flug selber stellte sich dann als absoluter Höhepunkt der gesamten Anreise nach Simbabwe heraus. Mit wenigen Sekunden Abstand zündeten die vier Triebwerke und versetzten den Flieger in eine angenehme Vibration. Laut dröhnend hob die alte Dame vom Flughafen in Windhoek ab und erklomm langsam ihre eher niedrige Reiseflughöhe. Niedrig genug um das Gefühl zu behalten, den trockenen Akazienbäumen ins Astwerk greifen zu können. Niedrig genug, als das auch ich mich der Schönheit der Savanne nicht länger verschließen konnte. Wir flogen hinweg über Giraffen und Antilopenherden, Elefanten und Paviane, hinweg über trockene Flussläufe und gelegentliche Ansiedlungen traditioneller Häuser.

Die DC-6 erwies sich als ein extrem komfortables Flugzeug mit plüschigen Sitzmöbeln, die ein wenig an Großmutters Couchgarnitur erinnern und Platz anbieten, von denen die Businessclass heutiger Flieger träumt. In so einem Flieger kann man die Welt erobern und man versteht, was einst die Magie des Fliegens ausgemacht hat.

VicFalls empfing uns deutlich wärmer, als wir Namibia hinterlassen hatten. Im Vergleich zu Windhoek herrschte hier ein reges Treiben am Airport. Imigration und Customs erwiesen sich meiner Bedenken zu trotz als freundlich und unkompliziert und in der erst besten Bar am Airport entdeckte ich ein Bier, wie ich zumindest in Afrika nie wieder ein Zweites getrunken habe. Frisch, wenig herb, mit reichlich Kohlensäure und eiskalt.... Zambezi Lager, ein leckerer Durstlöscher.

Das Eis zwischen mir und Afrika schien ein wenig dünner zu werden.....

Später am Nachmittag, als wir unser erstes Zeltcamp im Zambezi National Park errichteten wurde es spannend.

Hier sollte ich schlafen....? Hier, wo am Boden hunderte von noch nicht ganz so vertrockneten Elefantendungkugeln dunkle Vorahnungen in meinem Kopf auslösten. Vor meinem geistigen Auge wanderten diese Elefanten mit ihren Füßen groß wie Mülleimer mitten durch mein Zelt....., hier sollte ich Schlafen..., bestimmt nicht.

Das ganze Zetern half nicht. Das Zelt blieb an Ort und Stelle stehen. Es folgte meine erste wahrlich nicht spannende Safari in Afrika. Zwei Giraffen, drei schlafende Flusspferde und irgendwelche kleinen Böcke im hohen Gras. Dafür hatte ich einige Stunden lang die staubige Luft im Landrover eingeatmet..... Da hätten wir auch in den Zoo fahren können.

Ein leckeres Dinner aus der Buschküche stimmte mich einigermaßen versöhnlich, auch wenn ich das Gefühl hatte, immer mal wieder auf ein paar Termiten zu kauen....., die unsere Petroleumlampen zahlreich belagerten.

Ein paar Flaschen Zambezi sollten die notwendige Bettschwere einleiten,... vergeblich. Mit der Dunkelheit kehrte keine Stille im Busch ein. Im Gegenteil...... Da waren plötzlich viel mehr Geräusche als am Tag und zusätzlich war es dunkel. Also,..... so richtig dunkel,... kein Mond...., keine Sterne...., keine Sicht. Ich konnte im Liegen meine Füße nicht erkennen und die sind wahrlich nicht klein...... Selbst im Schein der Glut einer Zigarette waren diese Füße nicht zu erkennen. Die Taschenlampe brannte entsprechend die halbe Nacht.

An Schlaf war nicht zu denken. Die ganze Nacht wartete ich auf die Rückkehr der Elefanten und schreckte bei jedem neuen Knacken und jedem fremden Geräusch aus meinem Dämmerzustand auf........

Zwei Zigarettenschachteln später war die Nacht endlich herum..........

 

Wenn ich mir diese grobe Zusammenfassung der ersten 24 Stunden in Afrika so in Erinnerung rufe, frage ich mich, was hat wohl den Sinneswandel und damit mein "Afrikafieber" ausgelöst......

An anderer Stelle folgt mehr zu diesem Thema.....